Irrelevantes und sonstige Hirnauswüchse
 



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Eine neue Erfahrung

... ist immer gut.

Selbst wenn sie teilweise erzwungen sein mag, wie in meinem Falle.

Jener stellt sich nämlich so dar, dass vormals bereits erwähnte Waschmaschine im Keller, nun völlig den Geist aufgegeben hat und einer Operation bedarf.

Allerdings kommt der Ersatzteillieferer nicht recht in Gang, so dass sich die Wäsche nun nicht frischgewaschen im Schrank stapelte, sondern das Gegenteil tat und untätig, dreckig in der Gegend rumdümpelte.

'Nun', dachte ich, 'es wird Zeit für eine neue Erfahrung', packte meine sieben Sachen (naja, ein bisschen mehr waren's schon..) und fuhr zum Waschsalon.

Es war kein besonders hübscher.

Es war auch kein besonders lustiger.

Er sah so aus, wie ich mir einen Waschsalon vorstellen würde - große Maschinen, Frontlader mit Bullauge, in langer Reihe. Bänke. Wäschekörbe. Gar der Geruch schien ganz der meiner Vorstellung zu sein.

Etwas verwirrt und mit ob Kurzsichtigkeit zusammengekniffenen Augen sah ich mich um, sondierte die Lage.

Und dann geschah auch schon die Waschsalonmagie, ganz so, wie ich es mir immer vorgestellt hatte.

Eine ältere Frau, vielleicht Anfang/Mitte 60 half mir, der Verwirrung zu entsagen und erklärte mir den Großteil dessen, was ich auf den Schildern las, die über den Maschinen prangten.

Und schon waren wir ins Gespräch vertieft.

Oder besser, sie ins Gespräch, ich ins Gehör.

Ich höre gerne den Geschichten anderer Menschen zu, wie sie ihr Leben meistern, was sie hinter sich haben. Ich finde auch, jeder Mensch sollte Gelegenheit dazu haben, seine Geschichte erzählen zu dürfen.

Und so erzählte sie von ihrem Mann. Ich glaube, er hieß Karlzheinz - eines der Handtücher, die sie zusammenlegte, hatte diesen Namen aufgestickt. Er ist vor 4 Monaten gestorben. Hirntumor bösartigster Sorte. Nach 48 Jahren Ehe - harmonischer Ehe, ihren Erzählungen nach - muss sie sich nun umstellen, sich alleine zurechtfinden. Keine leichte Sache. Aber sie schien mir meiner Oma ähnlich, optimistisch und geistig stark, das Leben so nehmend, wie es kommt, aber keineswegs auf fatalistische Art.

Dennoch lagen ihr Tränen in den Augen, als sie von ihrem Mann schwärmte.

Im nächsten Moment allerdings wurde ihr Blick wieder trotzig.
Irgendein Amt hatte versäumt, ihr rechtzeitig die Witwenrente zu überweisen.
Ein weiterer legaler Abzockverein hat ihr trotz erfolgter Abmeldung weitere 60 Euro in Rechnung gestellt.

Unnötige Dinge, die Nerven und Zeit sinnlos verbrauchen.

Nun, ich glaube, sie meistert ihr Schicksal ganz gut.

Wer weiß, ob ich in dem Alter noch dazu fähig bin.

 

Und vielleicht fahr ich ja wieder mal zum Waschsalon, selbst wenn die Kellerwaschine wieder genesen ist...

19.1.09 22:50
 


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